BannerbildBannerbildBannerbild
     - - -  Märchenrallye - Lerne deinen Heimatort kennen  - - -     
     - - -  Digitale Dorfrallye "Tour de Zielitz"  - - -     
 

Wettbewerb - Einsendungen

Rückblick auf des Jahr 2020  und meine Wünsche für das Jahr 2021                    

Wir sind bereits im Jahr 2021 angekommen.  Heute, am 06.01.2021, feiern wir  den Dreikönigstag. Wo ist das vergangene Jahr nur geblieben? Die Zeit rast so schnell an mir vorbei, dass mir ganz schwindelig wird. War das in den vergangenen Jahren ebenso?  Oder empfinde ich das Verstreichen der Monate, den Wechsel vom Winter zum Frühjahr, vom Herbst zum Winter nur so unglaublich schnell, weil die Monate und die Jahreszeiten übergangslos ineinander übergehen?

Das Jahr 2020 wird uns allen als ein ganz besonderes in Erinnerung bleiben. Es ist das Jahr, das weltweit von einer Pandemie geprägt wurde. Corvid- 19 heißt das Virus. Nicht, dass es das erste Mal in der Geschichte der Menschheit wäre, dass eine unbekannte Krankheit die Menschen befallen hätte! Nein! Früher hießen die Geißeln der Menschheit Pest, Pocken oder Cholera. Es folgten Milzbrand, Diphterie Tuberkulose, Ebola, die Spanische Grippe,  Aids, um nur einige zu nennen. Aber in der heutigen Zeit ist es das erste Mal, dass der Weg des Virus auf seiner Reise um die Welt von den Menschen mit verfolgt werden konnte.  Ermöglicht wurde das durch die moderne Technik, durch das Internet.                                                                                                                   

Nachweislich brach das Virus zuerst in China, in der unmittelbaren Nähe eines medizinischen Forschungslabors bei Wuhan, aus. Das war weit entfernt, tangierte die europäischen Wissenschaftler und die Menschen nicht sehr. Noch nahm in Europa niemand dieses Virus ernst. Aber wir leben alle in einer Welt. Eine Welt, die klein geworden ist, dank der globalen Vernetzung. In wenigen Sunden ist es möglich von einem Ende der Welt zum anderen reisen. Die Globalität ist für uns alle wirklich selbstverständlich und auch unverzichtbar geworden.

 

Das Virus aber war sehr hungrig. Es war ihm egal, ob sein Wirt eine gelbe, schwarze, weiße oder rote Hautfarbe hat. Es kroch in alle Winkel und Ritzen unseres Planeten, sei es in Asien, Amerika, Australien oder in Russland. Es besiedelte Menschen und es schreckte auch vor Tieren nicht zurück. Plötzlich ist das Virus auch in Europa, unserer westlichen Welt, angekommen. Nun ging ein empörter Aufschrei durch Europa. Es folgten die vergeblichen Versuche der Regierungen, der Wissenschaftler, der  Wirtschaft und anderer Interessenvertreter der europäischen Gemeinschaft, die Verbreitung des Virus aufzuhalten.  Die deutschen Wissenschaftler sahen einen Lockdown als einzige Möglichkeit, um der Pandemie wirksam begegnen zu können. Dabei erwies sich der Föderalismus als der größte Bremsklotz der deutschen Nation. Denn jedes Bundesland war klüger, als sein Nachbar. Jedes noch so kleine Bundesland erhob Ansprüche  auf Sonderregelungen. Bereits zu dieser Zeit wäre nach meiner Meinung eine einheitliche Reglung  zur Eindämmung des Virus notwendig gewesen. Auf höchster Ebene von der Bundesregierung  hätten Beschlüsse gefasst und in die Tat umgesetzt werden müssen,  um die weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. Durch das zögerliche Verhalten der Bundesregierung während dieser Pandemie, die Nichtanwendung der Notstandsgesetze, wurden auch die Bürger unseres Landes verunsichert. Es bildeten sich die verschiedensten Gruppierungen mit den unterschiedlichsten Verschwörungstheorien heraus, weil plötzlich ihre Spaßgesellschaft zusammenbrach und jedes Bundesland andere und sehr unterschiedliche Regelungen zur Eindämmung der Pandemie beschloss. Einige der überforderten Bürger fühlten sich in ihren Grundrechten beschnitten, weil sie sich nicht mehr frei bewegen, reisen, sich mit Freunden treffen durften. Und es gab immer noch keine einheitlichen Regelungen in den einzelnen Bundesländern! Gefördert wurden die verworrenen Einstellungen dieser Bürger noch durch falsche oder fehlerhafte Informationen von  Wissenschaftlern, Medizinern, und anderer bedeutender Menschen, die ihre Erkenntnisse durch die Medien bekannt gaben. Als Beispiel führe ich nur das Tragen der Gesichtsmasken an. Mund-Nasenmasken, zu Anfang der Pandemie noch Mangelware, wurden zuerst als wenig hilfreich für den Träger dargestellt! Inzwischen ist das Tragen dieser Masken zur Pflicht in der Öffentlichkeit erhoben worden. Aber die Pandemieleugner und die Bürger der Querdenkerbewegung können oder wollen ihre falsche Einstellung nicht mehr korrigieren. Sie demonstrieren auch heute noch in verschiedenen Städten unseres Landes ohne Mund-Nasenschutz, um auf ihre konstruierten Verschwörungsideen aufmerksam zu machen.

Ich persönlich unterstelle diesen Bürgern a-soziales Verhalten. Nicht der sogenannte Penner auf der Parkbank ist asozial. Nein, es sind Menschen, die sich nicht dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen. Sie gefährden mit ihrem verantwortungslosen Verhalten nicht nur sich selbst, sondern zunehmend auch die Gesundheit der Bürger unseres Landes, und durch die Globalisierung auch das Gemeinwohl, das Leben auf der ganzen Welt.

 

Wir, mein Mann und ich, beide zu den Alten gehörend, wuchsen in der Hitlerzeit als Kriegskinder des 2. Weltkriegs auf. Dann wurden wir Bürger der DDR. In unserer Kindheit, der Jugend und in unserem Eheleben wurden wir durch diese Gesellschaftsform beeinflusst und geprägt. Die Wende veränderte unser Leben wieder. Uns wurde die Gesellschaftsform der BRD des wiedervereinigten Deutschlands übergestülpt. Alle unsere Erfahrungen und Werte wurden auf den Kopf gestellt. So haben wir in unserem Leben in den unterschiedlichsten Staatsformen gelebt. Wir empfanden und wir empfinden nicht alles gut, was die verschiedensten Gesellschaftsordnungen für uns bereithielten, aber wir fühlen uns immer dem Gesamtwohl der Menschheit verpflichtet. Das Leben hat uns auch gelehrt, den Menschen gegenüber kritisch zu sein, nicht alles kritiklos hinzunehmen, vieles zu hinterfragen, uns unsere eigenen Gedanken zu machen und uns dann eine eigene Meinung zu bilden. Und dann auch danach zu leben. 

 

Brachte uns das Jahr 2020 nur Entmutigendes, Entsetzliches? Ich sage Nein! Das Leben hat uns immer wieder gezeigt, dass aus jeder noch so verfahrenden Situation etwas Gutes für uns entstehen kann. Am Anfang der Pandemie rückten wir als Familie wieder enger zusammen. Wir, mein Mann und ich, waren und sind auch heute noch sehr froh, dass wir unseren Lebensabend miteinander verbringen dürfen. Wir haben uns wieder darauf besonnen, dass das in unserem Alter nicht alltäglich, sondern eine Ausnahme ist. Deshalb  gehen wir achtsamer und liebevoller miteinander um. Wir freuen uns auf jeden neuen Tag, den wir gemeinsam erleben dürfen. Auch das Leben mit unseren Kindern ist intensiver geworden. Unsere Tochter und auch unser Schwiegersohn rufen jede Woche wenigstens einmal an. Wir führen sehr lange und intensive Gespräche. Dabei erzählen wir uns wichtige Erlebnisse, aber wir appen auch ganz banale Ereignisse. Dabei lachen wir miteinander und  nehmen uns in Gedanken in die Arme. Auch zu unseren beiden ältesten Enkelkindern ist das Verhältnis wieder wärmer und herzlicher geworden. Das freut uns besonders.

Unser Sohn kümmert sich rührend bereits seit dem ersten Lockdown um uns. Er kauft für uns ein, und erfüllt uns unsere manchmal sehr ungewöhnlichen Wünsche. Dabei bindet er so manche Stunde seiner Freizeit für uns ans Bein. Ein großes Dankeschön, an dich, mein Sohn, für deine Hilfsbereitschaft und Fürsorge!

Es sind sehr wertvolle Lichtblicke,  die wir erleben dürfen, weil uns unser Sohn in diesen verhängnisvollen Zeiten unterstützt und unsere uns Kinder nicht vergessen.

Eine ganz besondere Freude bereitete unser Sohn uns auch, als er seine Schwester zu seinem 50. Geburtstag zu einem gemeinsamen Urlaub nach Kuba einlud! Da wurde mein Mutterherz ganz weit vor Freude!  Zeigt es mir doch, dass auch die Geschwisterliebe zwischen unseren Kindern trotz der räumlichen Entfernung  herzlich ist und Bestand hat!

Es gab aber noch einige sehr bemerkenswerte Erlebnisse aus dem Jahr 2020 zu berichten.

 

Mein Mann wurde in diesem Jahr 80 Jahre alt. Eine Geburtstagsfeier mit Verwandten und Freunden in unserer Lieblingsgaststätte  konnten wir bereits wegen der bestehenden Einschränkungen  nicht mehr planen. Aber genau zu dieser Zeit kam es zu einer Lockerung des Lockdowns. Unsere Tochter buchte für uns in einem zentral gelegenen Hotel in Rostock eine Woche Urlaub für uns. Wir bewohnten ein sehr schönes  Behindertenzimmer.

Auch das sonst sehr launische Ostseewetter verwöhnte uns die ganze Woche mit strahlendem Sonnenschein! Wir genossen diese Woche der unverhofften Freiheit mit allen Sinnen. Von dieser Zeit der unerwarteten Ungebundenheit zehren wir heute noch!              Wir unternahmen alles das, was wir schon immer in dieser schönen Stadt mal machen wollten. 

Am Geburtstag gingen wir mit unseren Kindern in ein Lokal ihrer Wahl zum Essen. Den Geburtstag selbst feierten wir auf dem Grundstück unserer Tochter mit der ganzen Familie. Als Überraschungsgäste waren auch die Schwester meines Mannes und unsere einzige Nichte mit ihrem Mann aus dem Harz angereist. Das Besondere dieser Feier war, dass sowohl meine Enkelin und ihr Mann, als auch die anderen Gäste meine Tochter bei ihren Vorbereitungen unterstützten! Es gab die allerfeinsten gegrillten Steaks und Würste, Hamburger für die Kinder, köstliche Salate.                                                                                                  Das wundervollste Geburtstagsgeschenk aber war für den Jubilar das Geschenk seiner Kinder--- einen einstündigen Flug mit einem kleinen Sportflugzeug vom Altmarkflugplatz Gardelegen!

Der Flug fand einen Monat später statt. Mein Mann und seine Kinder erhoben sich gemeinsam mit dem Piloten in den klaren Sommerhimmel und sie landeten glücklich und voller neuer Eindrücke wieder auf dem Rollfeld.

 

Im September fanden die Stadt- Literaturtage statt. Zum Glück auch noch ohne  Einschränkungen. Wir genossen unsere gemeinsamen Lesungen mit den Schreibzirkelschwestern in der Natur, im Museum, in Kirchen und in Senioreneinrichtungen. Auch unsere eigenen Lesungen in Schulen und Kindergärten verliefen sehr gut. Dann war da noch meine Lesung im Archiv. Sie war für mich ein echtes Highlight  Es kam zu wunderbaren Begegnungen mit den Zuhörern. Aus einer dieser Begegnungen wurde mehr. Es entwickelt sich ein zartes Pflänzchen der Freundschaft zwischen einem jungen Mann und mir, einer hochbetagten Frau. Das ist eine Begegnung, die dieses Jahr sehr besonders für mich gemacht hat.

 

Mit diesem außergewöhnlichen Erlebnis möchte ich meine Gedanken zum Jahr 2020 beenden, obwohl meine Ausführungen  nicht annähernd alle großartigen Ereignisse beinhalten, die dieses  Jahr uns geschenkt hat.

Inzwischen ist wieder ein Teil-Lockdown, danach ein verschärfter Lockdown über unser Land verhängt worden. Aber wir sollten nicht vergessen, dass das Leben auf der Welt immer bestehen wird, egal, ob Menschen darauf leben, oder nicht. Mittlerweile gibt es nun auch bereits einen Impfstoff gegen das Virus.

 

Für dieses Jahr wünsche ich mir, dass wir von diesem Virus verschont und auch sonst gesund bleiben. Dass die Impfung viele Menschenleben retten kann, dass das Chaos, welches das Virus unter allen Völkern dieser Erde angerichtet hat, ein Ende haben wird. Und dass die Menschen sich  wieder auf ihre menschlichen Werte wie Liebe, Freundschaft, Solidarität, Menschlichkeit und Wertschätzung besinnen.

Denn an eine Welt wie sie vor der Pandemie existierte, glaube ich persönlich nicht. Es wird irgendwann in der Geschichte der Menschheit ein Leben „Vor und nach der Pandemie“ geben.

Es liegt nun an uns, an jeden Einzelnen, wie das Leben „Nach der Pandemie“ sein wird.                                            

Lernen wir aus den Fehlern, die während der Pandemie  aufgetreten sind und machen wir das Beste aus unserem Leben!    

                                                

Annemarie Stern                                                                                  Haldensleben, im Januar 2021